Brendan - Fine Art & Portraits
Gedanken zur Portraitmalerei



«MALE DAS GESICHT DERGESTALT, DASS LEICHT ZU BEGREIFEN IST, WAS IM GEISTE VORGEHT» (Leonardo Da Vinci)

Jedes Gesicht ist einzigartig und faszinierend. Die Auseinandersetzung mit einem Gesicht ist jedes Mal eine grosse Herausforderung- je länger ich ein Gesicht anschaue, desto intensiver erlebe ich den Charakter des Menschen. Ein Gesicht ist ein fantastischer Geschichtenerzähler.

Ich gebe mir genug Zeit, ein Portrait anzufertigen- deshalb benutze ich lieber Fotografien als Vorlagen, wie dies auch berühmte Künstler tun- Luc Tuymans oder Gerhard Richter etwa. Meine persönlichen Vorbilder sind Michelangelo, Raffael, Da Vinci, Parmigianini, Verrocchio, del Sarto… und andere alte Meister, die nie in Vergessenheit geraten werden. Von ihnen habe ich viel gelernt.

Als Portraitist nuanciere ich bestimmte Facetten- bewusst oder unbewusst. Ich hebe gewisse Merkmale etwas hervor und lasse Dinge in den Hintergrund treten. Ein Portrait ist nicht ein Abbild, wie eine Fotografie, sondern lebt von den Auslassungen und Nuancierungen. Es sind diese Abweichungen zur Realität, die den Reiz eines Portraits ausmachen und eine neue Realität entstehen lassen. An diesen Kanten entspinnt sich ein andauernder Dialog mit dem Betrachter. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wenn mich das Portrait beginnt anzugucken- es ist dieser Moment, in welchem der Dialog einsetzt, der in mir ein Glücksgefühl auslöst. Plötzlich entspringt einem einfachen Blatt Papier eine lebendige, unmittelbare Eigenständigkeit. Traurige Augen treffen auf einen doch verschmitzt lächelnden Mund- welchen Weg wird dieser Mensch gehen?
An einem Portrait geht kaum jemand einfach vorbei. Wer selbst schon versucht hat, ein Portrait anzufertigen, weiss, dass das so einfach gar nicht ist- und wohl deshalb löst ein akzeptables Portrait meist Bewunderung aus. Ein Portrait von sich selbst zu besitzen ist bei vielen immer noch, oder nach der Überwindung der unterkühlten Moderne, wieder «in». Da gibt es die seelenlosen Portraits, die der Computer erpinselt- oder die Strassenmaler- Zum Glück kann sich ein Mensch wehren; Landschaftsmaler haben es einfacher…

Ausschnitte von Gesichtern zu malen gefällt mir ganz besonders. Die Auswahl des Fokus ist eine Herausforderung, mit der ich spielerisch umgehe. Infolge der mangelnden Informationsdichte lasse ich beispielsweise die Glatze bei Erwachsenen weg zu Gunsten anderer Gesichtspartien, denen gezwungenermassen mehr Aufmerksamkeit zu Teil wird. Das Bild mit dem Hintern von Niklaus Thut verdeutlicht die Wirkung dieser Fokussierung; ob dem ganzen Thut würde sich niemand aufregen; der Fokus erzeugt Reaktionen positiver und negativer Natur.

Meist gehe ich spät zu Bett. Ich bin aber auch ein leidenschaftlicher Frühaufsteher und schätze die Ruhe des Morgens.
Wenn es die Inspiration will, sitze ich jede freie Minute in meinem kleinen Atelier.

Meine Kunst soll Freude auslösen. Wenn die Leute sich an meiner Kunst erfreuen, bin ich selbst am glücklichsten. Und: Ein Portrait ist nie «ausgeguckt».